Samstag, 20. Dezember 2014

Rehmedaillons in Pflaumensauce. Für alle, die lieber länger unterm Christbaum sitzen als lang in der Küche stehen.


Halleluja, hab ich mich je so sehr auf Weihnachten gefreut? Ich weiß es nicht mehr so genau - ich weiß nur: Ich bin so bereit für´s Christkind wie Frollein Middleton fürs zweite royale Baby.


Ich möchte mit roten Wangen, glänzenden Augen, einem Berg voller Geschenke und dem Lieblingsmann unterm weiß und silber geschmückten Baum sitzen, das Weihnachtsoratorium hören, rotweinseelig in die Kerzen gucken und später dann ein bisschen schlemmen. 

Gut, eigentlich gehören noch ein paar sachte fallende Schneeflöckchen dazu - aber wir wollen mal nicht übertreiben mit den Wünschen. (<- um ehrlich zu sein bin ich schon froh, wenn der obligatorische wir-gucken-anderen-zu-Heilig-Abend-in-die-Fenster-Spaziergang nicht ins Hamburger Regenwasser fällt). 



Für alle, die lieber mehr Zeit mit ihren Lieblingsmenschen unterm Baum als mit einer störrischen Gans in der Küche verbringen wollen, kommt hier noch eine ziemlich feiertagstaugliche Idee für ein wirklich schnelles Festessen (mit dem man by the way auch ganz lässig Schwiegermütter und Großtanten beeindrucken kann).

Auf den schön gedeckten Tisch kommen zarte Rehmedaillons in einer wunderbaren Pflaumensauce, die so easypeasy gemacht ist, dass man es fast schon nicht als "Kochen" bezeichnen kann. Dazu ein paar in Butter geschwenkte Schupfnudeln oder vielleicht etwas in Speck gebratener Rosenkohl - und du bist ruckzuck im siebten Weihnachtshimmel. Bei mir gibt´s das angepflaumte Reh wieder zwischen Weihnachten und Neujahr - wenn´s schnell gehen und trotzdem festlich sein soll. 



Rehmedaillons in Pflaumensauce (4 Portionen)

600g Rehmedaillons (aus dem Rücken geschnitten)
4 Stängel Thymian
3 Esslöffel gesalzene Butter
250g Pflaumenmus, z. B. Aachener Pflümli
200ml trockener, kräftiger Rotwein
200ml Wildfond aus dem Glas
6 Pimentkörner
Meersalz und frisch gemahlener Pfeffer
500g Schupfnudeln (aus der Kühltheke)

Zwei Esslöffel Butter mit dem Thymain in einer Pfanne erhitzen. Die Rehmedaillons bei milder Hitze etwa 3 Minuten von jeder Seite braten – sie sollen innen noch ganz leicht rosa sein. Das Fleisch aus der Pfanne nehmen und im Ofen bei etwa 80° warm halten. Den Bratensatz mit Rotwein ablöschen und kurz einkochen lassen. Die Pimentkörner fein mörsern. Zusammen mit dem Pflaumenmus in die Pfanne geben und gut verrühren. Mit dem Wildfond auffüllen und noch einmal aufkochen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den letzten Esslöffel Butter in einer Pfanne erhitzen und die Schupfnudeln darin schwenken.

Die Rehmedaillons in die Pflaumensauce geben und mit den knusprig brauen Schupfnudeln servieren.





Lasst es euch gut gehen und habt ein wunderbares Weihnachtsfest. 

Conny

Sonntag, 14. Dezember 2014

Homemade Elisenlebkuchen. Glutenfrei und nicht so süß.


Neulich war Drama-Tag. Das Wetter: Drama. Die Frisur: Drama. Die Verkehrslage: Drama. Meine Laune war so tief im Keller, dass sie fast auf der anderen Seite der Weltkugel wieder rausgekommen wäre. Als dann auch noch "Last Christmas" im Radio kam, hätt ich beinah ins Lenkrad gebissen. Seit mittlerweile 30 Jahren wird die Menschheit zu Weihnachten Last-Christmas-dauerbeschallt. Mal ehrlich, gibt´s keine anderen Weihnachtslieder? Wobei... in der Stimmung für selbige war ich am Drama-Tag eh nicht. Unnötig zu erwähnen, dass die Bluetooth-Funktion des Telefons rumspackte und mir damit meine von-null-auf-gute-Laune-in-28-Takten-Playlist verwehrt blieb. 

Extensives Radiosenderzapping bescherte mir zwei weitere Male Last Christmas, die letzten 48 Takte der Mondscheinsonate in der Orchesterfassung, Phil Collins´ "In the Air tonight", einen Seitenbacher-Funkspot und irgendwas, was nach Unheilig klang. Joa. Drama-Tag halt. 


Die Rettung kam in Form eines 20 Jahre alten Knallersongs. Ready to go. Von Republica. Kennt ihr noch? Macht schneller gute Laune, als ich "Drama" sagen kann. Ich also schön die Lautsprecher bis zum Anschlag aufgedreht. Und lauthals mitgegrölt. Wie früher. In meinem weißen Peugeot 205 mit den scheppernden Boxen. Dass ich doch keine 20 mehr bin, merkte ich erst beim Einparken. Vor lauter lauten Gitarrenriffs überhöre ich glatt das hysterische Piepsen der Einparkhilfe. Ups. Drama-Tag halt.



Ebenfalls ein Drama (<- welch eine überaus gelungene Überleitung) ist bei mir das mit dem Temperieren der Schokolade. Soll so ein Schokoladenüberzug wie der auf den Elisenlebkuchen schön glänzen, dann muss die Schokolade dafür nämlich zweimal erhitzt werden. Wie das mit dem Temperieren in der Theorie geht, könnt ihr hier lesen. 

In der Praxis haben meine Lebkuchen schon nach ein paar Tagen wieder einen leichten Grauschleier bekommen. Wenn also jemand den ultimativen Temperier-Geheimtipp hat - immer her damit.




Alles andere als ein Drama ist dafür der Geschmack dieser Lebkuchen. Und das ist noch untertrieben. Sie sind köstlich. Am allerbesten schmecken sie, wenn sie nach dem Backen noch ein paar Tage durchziehen dürfen.



Wie schon Fee vor kurzem feststellte, geht´s bei Lebkuchen ja drunter und drüber. Sie kommen als Pfefferkuchen, Printen, Dominosteine, Lebkuchenherzen undundund daher. Aber nur ganz besondere Lebkuchen dürfen sich Elisenlebkuchen nennen. Der Legende nach sind sie nach der Tochter eines Nürnberger Lebkuchenbäckers benannt. Sie dürfen laut Verordnung höchstens 10% Mehl enthalten. Meine enthalten gar keins. Und sind damit auch für Menschen mit Zöliakie oder Glutensensitivität eine erlaubte Nascherei. 




Rezept für Elisenlebkuchen


150g Zitronat
150g Orangeat
250g ganze Mandeln
150g ganze Haselnüsse
110g Rohrzucker, z. B. Muskovado 
4 Eier
15g Lebkuchengewürz, entweder gekauft oder selbst gemacht*

Oblaten zum Backen 

150g dunkle Lieblingsschokolade zum Bestreichen

Zitronat und Orangeat sehr fein hacken.

Mandeln und Haselnüsse grob reiben.

Eier und Zucker in der Küchenmaschine oder mit dem Handmixer etwa 5 Minuten lang schaumig schlagen. Zuerst die gemahlenen Nüsse, dann die restlichen Zutaten unter den Teig rühren. Der sollte schön zäh und klebrig sein. Die Schüssel mit Frischhaltefolie abdecken und über Nacht im Kühlschrank ruhen lassen.

Am Backtag die Oblaten auf einem Backblech auslegen. Jetzt kleine Lebkuchenhäufchen auf die Oblaten setzen. Am besten geht das mit einem Eisportionierer. 

Die Finger mit Wasser befeuchten und die Lebkuchen damit etwas flach drücken. 

Bei 120° Umluft 20 bis 30 Minuten trocknen lassen.

Die Schokolade schmelzen und die abgekühlten Lebkuchen damit bepinseln.

* Fürs Lebkuchengewürz
7g Zimt
je zwei Gramm Nelken, Macis oder Muskatnuss, Kardamom und Piment







Danke an die Lieblingsschwester fürs Rezept - ich konnte es nicht lassen und hab´s wieder mal etwas abgewandelt.

Genießt den Tag!

Conny

Sonntag, 7. Dezember 2014

{It´s beginning to smell a lot like Christmas} Mit herrlich duftenden Vanille-Kardamom-Kipferln

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Liebe Besinnlichkeit, ich wär dann mal bereit für dich. Wie wär´s, wenn wir zwei beide in aller Ruhe die zweite Kerze anzünden, ein bisschen Eartha Kitt dabei zuhören, wie sie sich ein hellblaues 54er Cabrio wünscht - und dann die (natürlich längst vollständigen. Nicht.) Weihnachtsgeschenke lässig in dänisches Design-Geschenkpapier mit diesen angesagten Dreiecken hüllen. 


Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

"Du kannst mich mal" hat sich die Besinnlichkeit wohl gedacht - und lässt dieses Jahr auf sich warten. Und so gibt´s bei uns keine mit Liebe und Geschick handgeklöppelten Adventskalender, keine Nikolausgeschenke - und der olle Stollen liegt ja auch noch faul auf dem Balkon rum, während meine Facebooktimeline vor Selbstgebackenem überquillt.


Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Und so hab ich heute höchst besinnlich das Weihnachtsoratorium auf alle drei Dutzend Boxen geworfen, die wie so in der Wohnung haben (<- die sind übrigens der Grund dafür, warum es nie Interiorbilder hier gibt. Auf jedem Bild wär ne Box zu sehen.) - und die Küche in ein mehlbeschneites Weihnachtswunderland verwandelt. Die Orangen Nougat Plätzchen, die es auch im letzten Jahr schon gab, dazu glutenfreie Elisen-Lebkuchen (das Rezept folgt nächste Woche) und allerfeinste Vanille-Kipferl, die eine kleine Prise Kardamom noch leckerer macht. 


Vanille-Kardamom-kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de


Vanille-Kardamom--Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de


Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de


Rezept für Vanille-Kardamom-Kipferl

Für den Teig
300g Dinkelmehl

125g geschälte gemahlene Mandeln
100g Zucker
250g kalte Butter, in Stücke geschnitten
3 Eigelb
Das Mark von 2 Vanilleschoten
Eine Prise Kardamom

Zum Bestreuen
4 Esslöffel Zucker
Das Mark einer Vanilleschote

Alle Zutaten für den Teig rasch zu einem glatten Teig verkneten. Zwei lange Rollen von etwa 3 cm Durchmesser formen, in Frischhaltefolie wickeln und eine Stunde lang im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Ofen auf 180° vorheizen.

Die Rollen in 2cm dicke Scheiben schneiden. Jede Scheibe in der Hand erst zu einer Kugel, dann zu einer Wurst mit dünnen Enden rollen und schließlich zum Kipferl formen.

Die Kipferl mit ausreichend Abstand zueinander aufs mit Backpapier ausgelegte Blech setzen. Die Bleche nacheinander für etwa 14-15 Minuten backen. 

Vanillemark und Zucker zum Bestreuen mischen und die noch heißen Kipferl damit bestreuen. Abkühlen lassen. In einer Keksdose (oder direkt auf der Hüfte) aufbewahren. 

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Vanille-Kardamom-Kipferl von seelenschmeichelei.blogspot.de

Ich wünsch euch genug Zeit, um im ganzen Weihnachtstrubel mal ordentlich durchatmen und die Adventszeit wirklich genießen zu können. Dann stellt sie sich auch ein, die Besinnlichkeit. 

Conny

Sonntag, 30. November 2014

{Feines zum Advent} Mein allerliebster Lieblings-Stollen - fast so, wie ihn meine Oma gemacht hat.


So ein Stollen ist ja quasi die Trödelliese unter den Backwaren. Er braucht wirklich ziemlich lange, bis er endlich fix und fertig zum Anschneiden ist. Und wie bei allen ordentlichen Trödelliesen macht es auch beim Stollen gar keinen Sinn, irgendetwas beschleunigen zu wollen. Das ergibt dann nämlich nur Murks. Es wird also höchste Zeit, mit der Stollenbackerei anzufangen, wenn er an Heilig Abend auf dem Plätzchenteller liegen soll. Und mal ganz im Ernst - was wäre Weihnachten ohne Christstollen?


Den Anfang nimmt der Stollen bereits am Tag vor dem Backtag. Da wandern Citronat, Orangeat und Rosinen nämlich ins Rum-Bad. Und dort bleiben sie auch erstmal. Am besten über Nacht. 



Am nächsten Tag darf der Teig dann inklusive "Teigerl" (dem Vorteig) ganze vier Mal gehen, bevor er schließlich in den Ofen wandert. Ehrlich gesagt, diese vielen Ruhezeiten sind auch bitter nötig. Denn Rumfrüchte und viel gute Butter machen den Teig reichlich schwer.



Wenn sich dann beim Backen überall dieser köstliche Hefe-Butter-Zimt-Kardamom-Muskat-Duft verbreitet, möchte man am liebsten die Ofentür aufreißen und den Stollen noch warm vernaschen. Aber nix da. Jetzt möchte unser trödelliesiger Stollen erst mit ordentlich Butter eingepinselt und dann mit Kristallzucker bestreut werden. 

Und auch dann wandert er noch nicht auf unsere Hüften, sondern verschwindet erst mal unter einem Berg Alufolie. Fest darin eingeschlagen darf er jetzt an einem kühlen Ort durchziehen. Zwei Wochen wären ideal. Eine Woche muss es mindestens sein.



Ja, Stollen backen lehrt eben erstens Geduld und zweitens die hohe Kunst der Selbstbeherrschung. Extra für euch hab ich das gute Stück übrigens schon eine Nacht nach dem Backen angeschnitten. Der Anschnitt wird in zwei Wochen etwas kompakter sein, das Aroma noch intensiver. 


Mein allerliebster Lieblingsstollen ist übrigens einer von der puristischen Sorte. Er kommt ganz ohne Mandeln, Marzipan oder Mohn aus. Dafür hab ich eine Viertelflasche Rum in ihm versenkt. Ups. Im Gegensatz zu Mama und Oma verwende ich auch für den Stollen wieder helles Dinkelmehl. Weizenmehl geht natürlich auch.



Rezept für meinen allerliebsten Stollen


500g Dinkelmehl plus etwas für die Arbeitsfläche
1 Würfel Hefe
1 Ei
125ml Milch plus 50ml lauwarme Milch
175g weiche Butter 
75g Zucker plus 1 Teelöffel
1/2 Teelöffel Zimt
1/2 Teelöffel Kardamom
1/4 Teelöffel Muskatnuss
1 große Prise Salz
50g Citronat
50g Orangeat
100g Rosinen
100ml Rum

Nach dem Backen:
25g Butter
25ml Rum
75g Zucker

Citronat, Orangeat und Rosinen vermischen und mit Rum übergießen. Mindestens 4 Stunden, am besten aber über Nacht durchziehen lassen.

Das Mehl in eine Rührschüssel geben und eine kleine Mulde in die Mitte drücken. Hefe und Zucker in der lauwarmen Milch auflösen und in die Mulde gießen. Mit einem Geschirrtuch abdecken und an einem warmen Ort (z. B. an der Heizung) eine halbe Stunde lang gehen lassen.

Jetzt alle anderen Zutaten (bis auf die Rosinen-Rum-Mischung) zum Vorteig geben und mit dem Knethaken des Handrührers oder der Küchenmaschine so lange verkneten, bis ein geschmeidiger Teig entstanden ist, der sich von der Küchenschüssel löst. Die Trockenfrüchte abseihen und zum Teig geben. Gut einarbeiten.

Wieder mit einem Geschirrtuch abdecken, eine Stunde gehen lassen.

Jetzt ist Handarbeit gefragt: Knetet den Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche gut durch. Etwa fünf Minuten lang - was by the way ein ziemlich gutes Oberarm-Workout ist.

Wieder ab in die Schüssel, wieder mit einem Geschirrtuch abdecken, wieder eine Stunde gehen lassen.

Fast geschafft. Knetet den Teig nochmal kurz durch und formt dann einen etwa 30x40cm großes Rechteck. Klappt die Längsseite zu etwa zwei Dritteln um, so dass die typische Stollenform entsteht.

Ich backe meine Stollen im Stollenring. Der verhindert, dass der Stollen zu sehr in die Breite geht.

Legt ein Backblech mit Backpapier aus und platziert den Stollen vorsichtig darauf. Jetzt von außen vorsichtig den Stollenring darum schließen.

Bei 50° im Ofen nochmal 20 Minuten gehen lassen. Dann den Ofen auf 160° Umluft hochdrehen und den Stollen weitere 45 Minuten backen.

Den Stollen noch warm mit einer Mischung als flüssiger Butter und Rum bepinseln und dick mit Zucker bestreuen. Abkühlen lassen und dann in Alufolie einschlagen. Am besten noch einmal 1-2 Wochen an einem kühlen Ort ruhen lassen - erst dann entfaltet der Stollen sein ganzes Aroma.





Genießt den ersten Advent!

Conny